Fotographie

Lyrisches

Reisen

Über Mich

Oben

`ssawira `ssawira `ssawira schreien die Taxifahrer so bald reiselustig aussehende Menschen sich der Taxistation in Agadir nähert. Es gibt zwei Ort in der Stadt, wo Taxis abfahren, manche Dörfer können nur von einer der Stationen aus erreicht werden, andere von jeder, dies am besten bei den Taxifahrern oder der Unterkunft erfragen, wo die entsprechenden Autos abfahren. Die Taxifahrer sind allerdings sehr flexibel und für den richtigen Preis kannst du quasi überall in ein Taxi steigen, dass dich dort hinbringt, um den Standardpreis von 100 dhm in einem Sammeltaxi mit sechs Personen zu bekommen musst ich recht lange warten und habe zwischendurch die Station gewechselt, weil dort mehr Leute waren die ebenfalls nach Essaouira wollten. Ohne meinen Freund aus Agadir hätte ich diese Verbindung höchst wahrscheinlich nicht gefunden und lieber den Bus genommen, auch so musst ich unterwegs zu meiner Verwirrung in ein anderes Taxi umsteigen und war etwa 4 Stunden unterwegs.

Essaouira ist eine sehr schöne kleine Stadt am Atlantik, die geschichtsträchtige Stadt liegt an einer kleinen Landzunge und ist so auf zwei Seiten vom Meer eingeschlossen. Hinter der Bucht und der Altstadt wächst der Ort letzten Jahrzehnte unaufhaltsam und rasch. Heute ist es ein beliebter Touristenort für inländische Wochenendtrips und Reisende aus der ganzen Welt. Die Stadt hat eine Vielzahl schöne Cafés, kleine Läden und verschiedenste Restaurants sowie einige Bars und Nachtclubs zu bieten ist aber im Vergleich zu beispielsweise Marrakesch, Fez oder Agadir um einiges kleiner und entspannter. Essaouira hat in den letzten Jahrhunderten vor allem jüdische, portugiesische, amazigh und französische Einflüsse gehabt, auch die Architektur spiegelt die Geschichte und ich habe bisher noch niemensch getroffen dem die Straßen der Altstadt, der langen Sandstrand bis nach Diabat und das Hinterland langweilig geworden wären. Das ganz besondere ist hier auch die Koexistenz von westlich beeinflusstem Touristenort und authentischem Leben der Bewohner, selbst innerhalb der Medina findet sich einerseits Thairestaurants und instagramable Kaffes für 40 dhm und andererseits Suppen für 5 dhm und kleine Werkstätten oder Bäckereien in verwinkelten Gassen. Hinter der nächsten Ecke kann die ganze Stimmung umschlagen von Gastronomie, die sich mehr um ihre Innenausstattung kümmern als ihre Nachbarn und Souviniershops vollgestopft mit Lederwaren, Kräutern und Töpfereien, zwischen denen sich hunderte Touristen durch die Gegend schieben zu ruhigen Gassen wo offene Türen kleine Einblicke in die Werk- und Verkaufsstätten geben. In den zuletzt genannten Straßen können lokale producte und günstiges Gebäck erstanden werden (ein petit Schokocroissants kostet hier statt 3 nur 1 dhm).  Doch überall in der Stadt existieren diese beiden Pole nebeneinander und nur wenige Schritte vom verrückten #megaloft liegt ein Platz mit kleinen Küchen und ein paar Plastikstühlen, die zwar eine ähnliche Karte haben aber Chez Omar hat besseres Essen und bessere Preise. Auch das Nachtleben schlägt in beide Richtungen und so veranstaltet Taros DJ Partys am Wochenende wo die richtige Kleidung und Einschätzung des Türstehers Voraussetzung sind oder La Mamas gemütliche Gnawa und Reggae-Wohnzimmerkonzerte, wo auch mal ein Reisender sein Instrument auspackt und einsteigt.

upper floor of cafe, closed of, my stuff on the ground tablet, coffee, some pillows

Bäckerei und Café – Parisserie Driss – nicht überlaufen von europäischen Touristen, tolle Stimmung. Die zweite Etage des Innenhofes wurde zu meinem privaten Schreib und Rauchplatz wenige Menschen sitzen hier oben und nachdem sie irgendwann außer Betrieb genommen wurde mein sehr privater Platz da die freundliche Kellnerin lächelnd den Blumentopf zur Seite schob und mich hinauf ließ. Außerdem sind Kaffee und Gebäck bezahlbar für tägliche Besuche.

Chez Omar für günstige, traditionelle Küche, Omar und sein Team begrüßen dich dort jeden Tag freudig. Ich bin regelmäßig für meinen Freitags-Couscous dort gewesen und der Tintenfisch war köstlich.

La Roche ist ein wundervolles Restaurant zwischen teurem schicky-micky und bodenständig traditionell, die Speisen werden kunstvoll präsentiert doch die Preise sind fair und die Speisekarte etwas diverser.

Chaabi Chic hat eine super schöne Dachterrasse in guter Lage für Sonne und Schatten, da es etwas verstackt gelegen ist, ist es hier relativ ruhig und war mein liebster Ort um mich mit Freundinnen zum Rauchen und Quatschen und Tee zu treffen.

Um sich in Essaouira zurecht zu finden ist es auf jeden Fall hilfreich die Namen der verschiedenen Tore zur Medina zu lernen.

Am Bab Doukalah befindet sich in dem weniger touristischen Teil und dahinter liegt der Straßenmarkt mit vielen Preiswerten Lebensmitteln (Sontags entsteht hier der große Gebrauchtwarenmarkt), der Alkoholladen sowie die Busstation mit vielen kleinen Linien und die große Taxi Station.

Bab Marrakech ist weiter südlich, immer noch im touristischeren Teil, davor fahren die Supratour Fernbusse ab und entlang der Stadtmauer Richtung Westen bis zum Bab Sbaa befinden sich mehrere Nachtclubs.

Bab Sbaa ist das Tor, welches am nächsten am Strand liegt, hier kommen auch die meisten Taxis und Touristenbusse an, viele ältere Männer warten mit kleinen Handwagen auf Neuankömmlinge um ihnen das Gepäck für etwa 20 dhm durch die Medina zu fahren. Es führt hinaus auf die Strandpromenade entlang, welcher sich viele Hotels reihen. Solltest du einen Mietwagen bestellen, wirst du dich mit hoher Wahrscheinlichkeit hier mit dem Vermieter treffen und das Auto im empfang nehmen.

Bab el-Mechouar Richtung Westen und Fischerhafen liegt neben dem großen Platz, von hier aus führt eine breite Kopfsteinpflasterstraße zwischen zwei hohen orangenen Mauern zum inneren Teil der Medina, sie ihr aufwändig begrünt und grade abends halten sich hier viele Menschen auf. Vor dem Bab an der Rückseite des Hafens befinden sich viele kleine Restaurants mit frischem Fisch und Meeresfrüchten an marokkanischem Salat und Brot zu verhandelbaren Preisen, auf dem Fischmarkt selbst gibt es kleine grillstände, die deinen gekauften Fisch für ein paar dhm zubereiten.

Auf dem großen Platz laden die Straßenmusiker, Popcornverkäufer und Vielzahl an Cafés und Restaurants zum Verweilen ein, von der buntbemalten Mauer bietet sich ein toller Blick auf die felsige Küste und die geschichtenumwobene, vorgelagerte Insel.

Ich habe zwei Monate in Essaouira gelebt, ich arbeitete dort in dem wunderschönen Gebäude und nettem Team des Chill Art Hostel und genoss das Leben von morgendlichen Surfsessions und vielen Schreibstunden in den vielfältigen Cafés, wann immer ich Zeit hatte. Wieder im Hostel zu leben, viele unterschiedlichste Menschen zu treffen hat mich wieder einmal daran erinnert, wie sehr ich diese Leben liebe und schürte Vorfreude auf meine reiselastige Zukunft. Obwohl viele verschieden Menschen in das Hostel kommen, ist doch immer zumindest ein grundlegendes Verständnis zu Offenheit, Gemeinschaft und Teilhabe aber auch Respekt für den persönlichen Raum gemeinsam, wo internationale Reisende besonders Hostelreisende zusammenkommen. Auf den Straßen von Essaouira habe ich leider sehr konträre Erfahrungen gemacht, dies ist mir wichtig hier mit zu kommunizieren, da es meine Zeit dort und meine Reise stark beeinflusst hat. Wenn ich mich allein in der Stadt unterwegs war, wurde ich regelmäßig von einheimischen Männern jeden Alters belästigt und ich meine hier nicht die geschäftigen Straßenverkäufer oder unpersönliche Nachrufe. Es schienen in der Regel extrovertierte Männer zu sein, die nach Kontakten und irgendeiner Art Austausch suchten. Das Problem entstand für mich dort, wo nach deutlicher Ablehnung der Anmache ohne Respekt und Bewusstsein für die Situation das Gespräch versuch wurde aufrecht zu erhalten. Und diese Diskussionen und Nichtakzeptanz dessen, dass ich grade nicht mit ihnen reden wollte, wurden schnell sehr anstrengen und belastend. Viele weibliche Reisende, mit denen ich über dieses Thema sprach, haben die selben Erfahrungen gemacht doch viele rieten mir zur Lösung mich nur noch in Begleitung, am besten männlicher, raus zu gehen. Ich habe durchaus meine Art unterwegs zu sein etwas angepasst und oft auf lange Spaziergänge mit mir selbst verzichtet, doch dies schafft in mir einen deutlichen Konflikt mit meinen eigenen Bedürfnissen und Ansichten.

Ich schätze Essaouira ist eine Stadt, in der es alles gibt, traditionelles Leben, Luxus, Sport und Freizeit Angebote, Stadtleben und Strandstimmung und eine gewaltige menge Kunst. Kulturschocks und Koexistenz der Kulturen. An jeder Straßenecke innerhalb der mächtigen Stadtmauern gibt es etwas Neues zu entdecken und schon über den Tag verändert sich das Leben in der Straße und ich habe auch nach zwei Monaten noch neue Straßen entdeckt und Essensstände probiert.

0