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Ich liebe das Leben unterwegs, die Eindrücke, die Freiheiten, dass immer Neue, die Beschränkung auf das wesentliche, all dies treibt mich schon mein ganzes Leben umher. Nun war ich so lang unterwegs, dass die Anstrengungen des Umherreisens einen tieferen Eindruck hinterlassen als die schönen Dinge der Tage. Das ständige Treffen von Entscheidungen, wo geht’s hin? Hierbleiben oder weiterziehen? Die Überlegungen jeden Tag wie komm ich dorthin, wo werde ich schlafen, wo Frühstücken, Abendessen und einen ruhigen Ort finden? Sind die Preise angebracht, muss ich verhandeln? Die Reisenden unter euch werden wissen, was ich meine. Zudem bin ich nun seit gut drei Monaten mit meinem Partner unterwegs wodurch nicht nur meine Energien und Bedürfnisse bedacht werden müssen sondern natürlich auch seine, was mehr Fragen, Eindrücke und Meinungen in den Kopf wirft. Die zwei Wochen in Goa haben die Anstrengungen des täglichen Weiterziehens etwas abgemildert doch nach nun 13 Monaten unterwegs hatte ich das Bedürfnis irgendwo wirklich etwas zu Ruhe zu kommen. Glücklicherweise teilte mein Partner das Gefühl und so freuten wir uns beide auf ein, zwei Monate Leben an einem Ort in Sri Lanka. Schon bevor wir dort ankamen, entschieden wir uns für den kleinen, hübschen Surfort Hiriketiya. Ich hatte mit ein paar Menschen aus der Surfcommunity gesprochen und da wir nicht in Touri Hotspots wie Weligama leben wollten schien der Ort eine gute Option.

 Am Tag nach unserer Ankunft fanden wir schnell Roller für je 35.000 Rupie (ca. 100€) im Monat und ein geräumiges Apartment für knapp 200€. Das Apartment war durch langen Leerstand in dem feuchten Wetter etwas schimmelig, doch das würde sich beheben lassen und 10 min Fußweg vom Strand war der Preis, für die insgesamt zwei Schlafzimmer, zwei Bäder, große Küche und Wohnzimmer mit Balkon und Dachterrasse alles ausgestattet inkl. Strom, Internet und lieben Vermietern, unschlagbar. Wir waren froh, einen Ort zum Sein für eine längere Zeit gefunden zu haben und packten unsere Rucksäcke aus. Das Dorf hatte einige gemütliche Cafés, ein recht breites Angebot an Restaurants und super Wellen zu bieten. Wir kauften noch einen Standmixer und zwei Surfboard und waren nun perfekt eingerichtet für unseren kleinen Stillstand.

 

 

Natürlich war meine Zeit dort alles andere als wirklich still. Wieder einen Haushalt zu haben, und das zum ersten Mal mit meinem Partner, wirft vergessene Verantwortungen und Handlungsmuster auf. Die Reduktion der Gedanken und Aktionen auf das wesentliche während dem Umherzeihen lässt wenig Raum dafür, festgefahrene Gedanken und Handlungsmuster zu Reflektieren und ihre Entwicklung zu beobachten, denn alles ist ständig neu und verlangt Aufmerksamkeit. Nun diesen Raum zu haben und auch mit der Zeit im Dorf ein temporäres soziales Netz aufzubauen, wo andere Bedürfnisse nach vertrautem Zwischenmenschlichen Kontakt befriedigt werden können, hat die Qualität der Prozesse, besonders jener, die von der Partnerschaft beeinflusst werden, merklich beeinflusst. Mit einem bekannten Menschen über alltägliches zu reden, im Stammcafé mit warmem Lächeln und einer Umarmung begrüßt zu werden oder eine kleine Auszeit in einer Bar zu nehmen wo ich mich nicht allein fühlt aber auch nicht zu viele Eindrücken von außen auf mich Einprasseln, all dies kann Überwältigung von intensiven Emotionen und Gedanken etwas abmildern und Knoten lösen.

Hriketiya ist inzwischen auch ein beliebter Ort für Surftouristen und mehr und mehr Infrastruktur entsteht. Im Nahegelegenen Ort Dikwella befinden sich allerlei Geschäfte aber auch in Hiriketiya gibt es Supermärkte, Beach Bars, Restaurants und einige schöne Cafés. Der Ort ist klein und das Leben konzertiert sich auf einige wenige Straßen, die wunderbar zu Fuß oder mit dem Roller erreichbar sind. Es gib Gastro für jeden Geldbeutel, von schickem Sushi bis typischem Currybuffet und verschiedene Unterkünfte. Der Strand in Hiriketiya ist leider inzwischen dicht besetzt von Bars und Surfbrettverleihen und es ist schwierig auf dem schmalen Sandstrand einen Platz für das Strandtuch zu finden. Gleichermaßen sind die Wellen überlaufen mit Surfern aus allen Leveln und an guten Tagen wird es chaotisch, wenn sich drei Reihen Lineup über die ganze Bucht ziehen. Mit der Zeit und der Flexibilität von gemieteten Rollern hatten wir die Möglichkeit andere Strände in der Umgebung kennen zu lernen, um den vielen Menschen zu entkommen.

 

Ein toller Ort nicht weit von Hirirketiya ist Calma. Ein Gasthaus, Café, wundervoller Ort, mit grünem Garten bis zum ruhigen weiten Sandstrand. Offen zum Meer kommen hier stärkere Wellen an, die auf dem Sandgrund meistens etwas ungeordnet brechen. Doch grade morgens, bevor der Wind aufkommt, ist es ein spaßiger Surfstrand um mit Platz an den Fähigkeiten wie Paddeln, Take-off und Wellen lesen zu feilen.

 

Ein anderer guter Spot war Sampath Strand, etwa 40 min Fahrt von Hiriketiya kurz vor Matara. Der Besitzer der Strandhütte hat dem Spot seinen Namen gegeben und mit weit offener Küste kommt hier ein starker Swell an der tip-top Wellen bringen kann. Da Matara generell nicht überaus touristisch ist und Sampath Strand noch etwas unbekannter als der nahegelegene SK Town, hatten wir die Wellen hier oft für uns oder teilten mit ein paar wenigen einheimischen und touristischen Surfern. Hier waren die Wellen auch groß und kräftig genug, um mich mal wieder an die Grenzen meiner Panik zu bringen. Doch nach ein paar Sessions fühlte ich mich wohl und hatte mehr vertrauen in meine Fähigkeiten, was es mir ermöglichte die größten Wellen seit meinem Umfall ohne Panik zu surfen und auch eine meiner bisher besten Wellen überhaupt. Ich war so froh ein bis zwei Mal am Tag surfen zu gehen und endlich einmal das Leben zu leben, was ich so oft manifestiert habe, mit meinem eigenen Board irgendwo am Surfort zu wohnen und das Leben und das Meer genießen.

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